
- Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott - Bookreporter
Der Artikel basiert auf folgenden Gottesbildern, die sich in drei Artikeln finden
Teil 1 , Teil 2 , Teil 3 der Gottesbilder in "Die Hütte"
Positive Anmerkungen
Im Roman ist der Heilige Geist weiblich. Dies wurde von manchen kritisiert: In der deutschsprachigen Bibel ist der Heilige Geist männlich!
Da aber im Hebräischen das Wort „ruach“ (Wind, Hauch, Geist) steht, kann diese Kritik als widerlegt gelten, denn „ruach“ ist im Hebräischen weiblich.
Es gibt einige konservative Pastoren und Theologen, die Young Irrlehren vorwerfen, oder das Buch aufgrund des gebotenen Gottesbildes ablehnen. Es war nun aber nicht Youngs Absicht, ein Lehrbuch über systematische Theologie (Zusammenfassung der Lehre von Gott gemäß der Bibel) zu schreiben, sondern eine Botschaft von Gott zu vermitteln. Somit ist dies eine Geschichte, vergleichbar der Gleichnisse Jesu: In diesen taucht Gott in verschiedenen Rollen auf. Daher kann ich diese Kritik nicht teilen.
Negative Anmerkungen
Young stellt Gesetze und Regeln durchweg als etwas Negatives dar. Gute Regeln sollen helfen, Liebe in die Tat umzusetzen, ohne jedes Mal bei Null anzufangen. Teilt Young diese Ansicht, weil er als Amerikaner viel Freiheit und Ungebundenheit gewohnt ist?
Jesus wird nie bei seinem göttlichen Titel „Christus“ genannt. Jesus Christus ist mit dem Titel „Jesus der Messias“ gleichzusetzen. Da dies in dem Roman ausbleibt, fehlt Jesus die Eigenschaft des prophezeiten Erlösers der Menschheit. Ist es Youngs Absicht, nur die menschliche Seite Jesu zu zeigen? Dies bleibt offen.
Young lehnt die Verantwortung des Menschen vor Gott ab.
„Darum findet sich das Wort Verantwortung nirgendwo in der Heiligen Schrift.“ (S.237) Wortwörtlich hat Young Recht, von der Sache her taucht das Wort allerdings auf.
Hierfür sollen zwei Beispiele angeführt werden.
-> „[…] Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen.“ (1.Mose 2,15) Dies ist der Auftrag Gottes an den Menschen die Erde zu bebauen und bewahren und stellt somit eine Art von Verantwortung dar.
-> In 1.Mose 3 muss sich der Mensch vor Gott verantworten, denn er hat, obwohl Gott es ihm verboten hatte, Früchte vom Baum der Erkenntnis gegessen.
Daher ist die Aussage, die Young im Roman vornimmt, äußerst gewagt und meiner Ansicht nach falsch.
„Als wir drei als Sohn Gottes ins menschliche Dasein eintauchten, wurden wir voll und ganz menschlich. Wir beschlossen außerdem, alle Begrenzungen zu akzeptieren, die damit verbunden sind.“ (S.113) Diese Aussage von Elousia ist meiner Ansicht nach etwas irreführend.
In Johannes 14,28 sagt Jesus: „[…] Wenn ihr mich wirklich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn er ist größer als ich.“ Elousia zufolge begaben sich alle drei (Elousia, Sarayu und Jesus) in die menschliche Existenz hinein. Tatsächlich aber wurde nur Jesus Mensch, der Vater und der Heilige Geist nicht. Deswegen kann Jesus auch sagen, der Vater sei größer als er. (Joh 14,28)
Für Youngs These spricht 2. Korinther 5,19 gemäß der griechischen Übersetzung: „Gott war in Christus.“
Dagegen spricht wiederum:
„[…] wenn ich nicht hingehe, so kommt der Tröster [Lies: Heiliger Geist] nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden.“ (Joh 16,8) Das heißt, dass der Heilige Geist bei den Jüngern noch nicht anwesend ist.
„[…] wir glauben an den, der unsern Herrn Jesus auferweckt hat von den Toten […]“ (Römer 4,24) Wenn Gott wie Jesus Mensch wurde, wer hat Jesus auferweckt?
Wenn Jesus alle menschlichen Begrenzungen akzeptierte, warum blieb er nicht tot?
Welche Schlüsse kann man aus der Hütte ziehen?
Zuerst sei darauf hingewiesen, dass die Gefahr darin besteht, dass der eine oder andere Leser dem Roman einen Status einräumt, der keinem Roman gebührt – dass man ihn über die Bibel stellt. Es ist nur eine Geschichte, die von einem Menschen geschrieben wurde. Das Buch ist inspirierend, aber nicht inspiriert.
Denn diese Art von Roman ist nicht neu. So schreib Neale Donald Walsch „Gespräche mit Gott“ (3 Bände, 1996) in ähnlicher Form.
Diese Art von Roman als durchgängiges Zwiegespräch mit Gott suggeriert manchem Leser, das dies eine autoritative Schrift Gottes sei (wie die Bibel).
Der Roman stellt allerdings einfach nur menschliche Vorstellungen, wie Gott sein könnte, dar, ohne unhinterfragbaren Anspruch.
Man darf die Bilder, die Young oder Walsch verwenden, auch nicht mit Glaubenslehren gleichsetzen. Sonst taucht sehr schnell der Begriff „Irrlehren“ auf.
Was können wir aus dem Roman lernen?
Wir können lernen, wie gütig und vertrauenswürdig Gott ist. Gott ist nicht der Urheber des Schmerzes. Die Hütte teilt uns weiterhin mit, dass Beziehungen wichtiger sind als Regeln, denn „wenn auf der Erde die Liebe herrschte, wären alle Gesetze entbehrlich“ (Aristoteles).
Abschließend sollte jeder Leser aus dem Roman mitnehmen, dass man Gott trotz und gerade wegen negativer Umstände vertrauen darf, und anderen vergeben soll.
Das Bild, das man sich von Gott machen darf, ist liebevoll, vergebungsbereit, mitfühlend und barmherzig.
Gott ist kein Objekt, das wir steuern können, sondern ein oder drei Subjekte. Ein Jemand, der unsere Wunden heilen und uns in seinen Beziehungskreis ziehen möchte.
